Cortes Island

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1.Bericht aus Canada

3. Dezember 2007

Liebe Freunde,

 

es ist unglaublich, aber ich bin schon wieder ein Monat hier in Canada. Anfangs war ich einige Tage in Vancouver. Da gibt es nicht viel Neues: die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele laufen auf Hochtouren, und die halbe Stadt ist eine Baustelle. Die Preise steigen enorm an, das öffentliche Transportsystem ist langsam und zum Teil eine Katastrophe (die Industrie zwingt damit alle dazu, ein Auto zu fahren), die Wassersituation ebenso (Trinkwasser muss man sich kaufen, weil so viel Chlor im Leitungswasser ist; Duschen und Baden ist damit wirklich kein Genuss), usw.


Vancouver: Totem-Pol des Haida-Volkes auf den Queen Charlotte Islands bei Alaska

Schliesslich bin ich dann noch draufgekommen, dass auf der Busroute Vancouver – Campbell River (dort, wo ich hinfahre) die Hälfte aller bisherigen Busse aus dem Fahrplan gestrichen wurden … was mich dazu gezwungen hat, diesmal hinauf zu fliegen, weil ich sonst zwei Tage unterwegs gewesen wäre.

Die angesagten Stürme sind in Vancouver dann nicht eingetroffen, das Wetter war relativ schön, aber sehr kühl.

 
Flug Richtung Campbell River, wegen des Regens nur unklar sichtbar Cortes Island im Hintergrund

Dann, nach fünf arbeitsreichen Tagen in Vancouver ging es schliesslich los zu meinem endgültigen Ziel, Cortes Island: am frühen Morgen zum Flughafen; Flugzeug (eigentlich ein kleiner Brummer) mit Verspätung; Regen und Wind und damit ein sehr unruhiger Flug, Ankunft in Campbell River nach 45 Minuten, Airport Transporter hinunter in die Stadt, wo mich Freunde abgeholt haben. Dann zwei weitere Fähren und am Abend war es dann schliesslich geschafft.

 
mein Haus für den Winter – ein Palast


ebenso


Dachkuppel, in die eine Gruppe von Delfinen hineinragt,
welche aus einem einzigen Stamm des sogen. Arbutus-Baumes geschnitzt worden ist


der Felsen, auf den das Haus gebaut worden ist

Meine Freunde, Ann Mortifee und Paul Horn (zwei weltweit sehr bekannte Musiker), haben noch gewartet, um mir ihr Haus für den Winter zu übergeben, und am nächsten Tag habe ich dann mein Reich hier übernommen, wie ihr auf den Fotos sehen könnt. Grosse Persönlichkeiten, grosse Energie – das ist es, was ich hier vorgefunden haben. Und manchmal ist es gar nicht so einfach, mich davon freizumachen, um meine eigene Arbeit zu machen und meine Bücher zu schreiben.

 
das Haus von der anderen Seite der Bucht


"Inukshuk" – der Wegweiser (auch Symbol der Olympischen Spiele 2010 in Vancouver)
und im Hintergrund wieder "mein Haus"


… eingebettet zwischen den verschiedenen Energien und Kräften, welche dieses Haus füllen

Der nächste Tag war noch wunderschön, Sternenhimmel in der Nacht. Warmes Wetter war angesagt … doch dann ist es losgegangen. Ein heftiger Sturm ist herein gekommen und ist über Nacht über die gesamte Westküste hier hinweggefegt. Am Morgen hat er noch Wasserfontänen haushoch aus dem Meer herausgezogen --- und dann war es vorüber. Fünf Tage lang Funkstille: kein Strom, kein Wasser, kein Telefon mehr … und ca. 200 000 Menschen entlang der Küste hatten zumindest zwei Tage lang keinen Strom. Es war ähnlich heftig wie letztes Jahr Mitte Dezember. Tausende Bäume waren geknickt, die Stromleitungen bei uns hier sind zum Teil wirklich am Boden gelegen.

 
Ausblick von "meinem" Haus aus


Ausblick auf das Meer, im Hintergrund die Berge des Festlandes


Abendstimmung bei zunehmendem Mond

Aber insgesamt war es eine Zeit zum wirklich Ruhigwerden und Abschalten für mich, was ich sehr genossen habe. Dazu hatte ich auch einen guten Heizofen, was dann auch die Nächte bei Kerzenlicht sehr gemütlich gemacht hat. Natürlich muss ich auch Indaba, den schwarzen Kater von Ann erwähnen (ihm ist sogar eines ihrer Lieder auf der letzten CD gewidmet oder besser gesagt, wurde ihm aus verschiedenen Gründen dieser afrikanische Name gegeben – ist doch Ann selber in Zululand, Südafrika geboren). Er war jedenfalls sehr zufrieden, dass ich viel Zeit beim Ofen und damit in seiner Nähe verbracht habe. Jetzt ist er nicht mehr ganz so glücklich, weil ich oft am Computer arbeite.

 
Indaba – der Hauskater: Lieblingsbeschäftigung "Faulenzen"

Seit dem Sturm war dann das Wetter zum Teil sehr schön: strahlende Sonnentage haben sich mit hellen Mondnächten abgewechselt. Es ist dabei allerdings auch sehr kalt geworden. Und die Menschen an der Westküste Canada's sind nicht wirklich an Kälte gewöhnt. Die Häuser sind nicht isoliert, die Fensterscheiben dünn, die Türen sind nie genau eingepasst, was bedeutet, dass es immer einen gewissen Durchzug gibt. Und dieses Haus ist direkt am Meer auf einen Felsen gebaut, der in der Mitte herausschaut, was es beim blossen Anschauen schon kalt macht. Zum Heizen ist dieses Haus auch deshalb eher schwer, weil sich wegen der offenen Bauweise innen die ganze Wärme in der Dachkuppel sammelt. Aber mein "Büro", das sich oben in der Galerie befindet, ist da bevorzugt und wärmer.

In den letzten drei Tagen hat  es dann stark zu frieren begonnen (es hat jetzt einige Grade unter Null), und seit heute haben wir draussen "Winter Wonderland". Aber keine Sorge, für morgen und übermorgen sind bereits wieder um die 15 Plusgrade angesagt, inklusive Sturm natürlich. – Wenn Schneefall vorausgesagt wird, dann kommt immer gleich eine sogenannte "Schneefall-Warnung" im Internet und im telefonischen Wetterbericht, selbst wenn es nur 2 cm sind. Das amüsiert mich immer ein bisschen.

 
Winter-Wunderland gerade rechtzeitig zu Adventbeginn


Blick in unsere Bucht hinein, mit zwei Häusern – das eine rechts hinter Bäumen versteckt


Haus mir gegenüber


"My Castle" – nach dem Motto "Ich bau mir ein Schloss"


Blick unter Zedernzweigen hindurch, jene berühmte Canadische Zeder,
welche die Regenwaldvegetation hier an der Westküste prägt

Ich wohne hier in einer Bucht, in der es noch drei weitere bewohnte Häuser gibt. Eins davon ist mir gegenüber, eines direkt in der Bucht und eines links von mir Richtung Meer hinaus. Die anderen Häuser sind leer. Viele Leute von hier sind für den Winter nach Mexiko oder Thailand (oder in sonstige wärmere Länder) gegangen, weil das Wetter das ganze Jahr über sehr nass und kühl war.

 
Waldspaziergang


Landschafts-Impressionen

Vom Fenster aus schaue ich direkt auf das Meer, was ich wirklich sehr geniesse. Es ist dieser ständige Rhythmus des Ozeans, der mich hier mitschwingen lässt und der mein Bücherschreiben ziemlich inspiriert.


Blick aus unserer Bucht hinaus


Mein Canadisches "Matterhorn" – hier genannt "Mount Denman"


Ausblick aus dem Wohnzimmer-Fenster

Immer wieder sehe ich die Weisskopfadler über dem Meer schweben und wie sie dann plötzlich wie ein Pfeil hinuntertauchen ins Wasser, um sich einen Fisch herauszuholen. Eines Tages war in der Früh direkt an meinem Haus ein unglaubliches Adlergekreische. Es hat sich wirklich sehr ernst angehört, aber ich konnte nicht herausfinden, worum es ging. Später, als ich dann in den Wald hinter dem Haus hineinging, wurde es mir dann klar, denn was lag da mitten unter einem grossen Baum? Der Kopf eines Lachses, alles andere als klein. Sie haben ihn also fallengelassen und dann nicht mehr finden können unter den dichten Bäumen.


Der Lachskopf im Wald … nach ein Futterkampf der Adler oben in den Bäumen


Kormorane


… im Abflug

Manchmal plantscht draussen im Meer auch ein Seelöwe herum gemeinsam mit einer riesigen Gruppe von Canadischen Enten. Und zu besonderen Augenblicken kommt mich der Blue Heron besuchen, der Blaureiher – ein sehr anmutiges Tier. Neulich am Abend ist er direkt vor meinem Haus am Ufer unten gestanden. Mit ihm habe ich schon eine lange Geschichte …

 
Heron, der Blaureiher – zu Besuch

Das war's für diesmal aus Canada – geniesst die Fotos, und ich melde mich dann vermutlich erst wieder im neuen Jahr. Ich wünsche euch, dass es gut zu Ende geht – verbringt ein schönes Weihnachtsfest! Ich freue mich auch, wenn ich von euch höre.

 

Liebe Grüsse sende ich euch

Magda

 

ps: im August 2007 ist mein Buch "Reise in das weite Land" (ein schamanisches Reisetagebuch) erschienen – für den Fall, dass ihr ein Weihnachtsgeschenk braucht. Es kann im Buchhandel bestellt werden!

pps: wenn ich mich einmal für einige Zeit per email nicht zurückmelde, dann haben wir gerade wieder einmal keinen Strom …

 

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2.Bericht aus Canada

 

Cortes Island – 20.Jän.2008

 

 

Hallo, ihr Lieben!

 

Die Zeit vergeht, und jetzt sollte ich mich wohl wieder einmal melden, oder? Es gibt zwar nicht allzu viel Neues zu erzählen, aber zwei Monate sind doch eine lange Zeit … speziell wenn sie in zwei verschiedenen Jahren ablaufen.

Anfang Dezember des Vorjahres ist die älteste Dame auf Cortes mit beinahe 102 Jahren gestorben. Kathleen Boas war eine wirkliche Lady, überall dabei und bekannt, geliebt und liebevoll – wie sie von ihrem weitaus jüngeren Lebenspartner zum Abschied beschrieben wird.


Foto von: Cortes Webseite

Gleich nach dem letzten Bericht gab es dann einige heftige Stürme, Stromausfälle und was alles so dazu gehört. Die Wetterwarnungen waren jedoch meistens viel eindrucksvoller als es dann wirklich gekommen ist – besonders die Schneefallwarnungen mit ihren 2-4 cm. Und so sieht das dann aus auf der Internet-Wettervorschau:

SNOWFALL WARNING CONTINUED

RAINFALL WARNING CONTINUED

WIND WARNING CONTINUED

Bis Weihnachten war das Wetter dann kaum so wie es vorhergesagt war, sondern es waren immer wieder auch wunderschöne Sonnenaufgänge oder –untergänge dabei, Sonnenstunden und Mondnächte. Erst nach Weihnachten ist es dann wieder wirklich kalt geworden, die Stürme sind zurückgekehrt und die Stimmung hier hat ziemlich nachgelassen mit den vielen grauen, verregneten und nebel-verhangenen Tagen. Mir macht das nichts aus, denn für mich gehört das alles dazu zu dieser Jahreszeit. Die Natur-Stimmungen dieser Wochen haben mich jedenfalls sehr beeindruckt.

Da war zum Beispiel Sturm und absolut schwarzes, abgründiges und grollendes Meer; die Wellen peitschen dann an die Klippen, sie schäumen und züngeln … am nächsten Tag ist das Meer vielleicht wieder grün, ganz ruhig und man sieht tief hinein.


Stimmungen

Dann die Morgen- und Abenddämmerungen: wenn sich der Horizont plötzlich rosa, orange und rot färbt, und schliesslich der ganze Himmel … dazu die rosa schimmernden Berge im Hintergrund am Abend, weisse Gipfel leuchtend im Neuschnee. Und danach die hellen Nächte um Weihnachten, wenn der Vollmond sein Glitzern über das Wasser geworfen hat und jedes Ästchen an den Bäumen zu sehen war …

Besonders herausragend war eine sehr seltene Erscheinung am Himmel vor ein paar Tagen, nämlich die sogenannten "Sun Dogs", die auf einer Licht-Eis-Spiegelung beruht. Die Sonne, die nur hinter einer Wolkenschicht zu sehen ist, ist dabei von einem Lichtreifen umgeben, auf dem sie sich immer wieder spiegelt und es dann oft so aussieht, als hätte sie mehrere kleine Aussensonnen. Das ganze Schauspiel hat mindestens eine Stunde angedauert – bei Eiseskälte natürlich.

Im Dezember habe ich eine Art "Winterschlaf" eingehalten, und mich einfach meiner Arbeit gewidmet. Einmal jedoch habe ich "den Fehler" gemacht, dass ich am Freitag zur Post gefahren bin, wo nebenan auch immer ein Markt stattfindet. Ich wurde förmlich überrannt … ich glaube, es waren ungefähr fünfzig Leute, die da unbedingt und genau jetzt mit mir sprechen wollten. Aber so ist das, wenn man sich rar macht. Danach habe ich unbedingt eine kleine Erholung gebraucht, obwohl es natürlich sehr nett war, alle meine Freunde und Bekannten wieder zu treffen. Zum Einkaufen und Erledigen der Dinge, die ich mir vorgenommen hatte, bin ich jedenfalls dabei nicht gekommen

Einmal habe ich auch einen Ausflug in die grosse Stadt gemacht, die zwei Fähren weit von uns hier entfernt ist, weshalb dafür ein ganzer Tag eingeplant sein muss. Der Weihnachtsrummel dort war unbeschreiblich (obwohl es erst der 11.Dezember war), und "Stille Nacht" war buchstäblich überall zu hören – was mich daran erinnert hat, wie berühmt doch auf diese Weise Österreich in der ganzen Welt geworden ist!

Und dann gab es noch ein paar kleinere Events, an denen ich teilgenommen habe bzw. für die ich sogar Gäste eingeladen habe. Und heutzutage ist es schon so, dass sie dabei einfach mit Camera anrücken – unglaublich …

Kater Indaba war einmal ziemlich an seinem Hinterlauf verletzt. Vielleicht wurde er von einer Ratte herausgefordert oder so ähnlich? Es könnte aber auch der Nachbar-Kater gewesen sein, denn der ist ein "Krieger", während Indaba eher eine Buddha-Natur besitzt, der er – wie man sieht – auch immer wieder nachkommt. Jedenfalls hat er es sehr genossen, täglich gehegt und gepflegt zu werden.

Ich habe ihm dann aus der Stadt ein kleines Spielzeug mitgebracht, nämlich ein paar Filzmäuse. Plötzlich ist er mit einer dieser Mäuse über den Boden gerollt und hat sich überhaupt nicht mehr beruhigt. Somit habe ich dann endlich einmal auch die Beschreibung dazu gelesen, und dann war es mir klar: es handelte sich nämlich um Mäuse, die mit Katzenminze gefüllt waren!

Kurz um die Wintersonnenwende gab es einen Bericht über die am 19.12.2007 vollzogene Unabhängigkeitserklärung der Lakota (Sioux Nations) und anderer Stämme der amerikanischen Ureinwohner.

Darüber habe ich einen Artikel angehängt, weil das doch eine sehr bemerkenswerte Entwicklung ist. Es wurde auch nur in den europäischen Medien kurz darüber berichtet. Und Mister Bush hat scheinbar vorgezogen zu schweigen, sich die Augen und Ohren zuzuhalten … denn vielleicht ist dann alles nicht wahr – vielleicht!

Der 21.12. ist für mich der Zeitpunkt der absoluten Dunkelheit, der jedes Jahr doch etwas sehr besonders ist: bewusst begangen, habe ich am Abend auch kein Licht eingeschaltet, sondern nur Kerzen angezündet. Für ein Feuer draussen war es zu stürmisch … Es war aber insgesamt sehr hell, weil kurz danach Vollmond war.

Weihnachten war wegen des Vollmondes ziemlich arbeitsreich für mich, und ich habe dann auch an keiner Christmas-Dinner-Party teilgenommen, wie sie hier am 25.Dezember üblich sind. Aber Santa war selbstverständlich da und hat mir am Weihnachtsmorgen einen gefüllten Sack durch den Schornstein geschickt gehabt. Wie er das bloss immer macht ? … Nur am 26. war ich auf einer kleinen Boxing-Day Party. Boxing-Day hat heutzutage hier damit zu tun, dass man die Geschenke, die man nicht mag, wieder in die Box zurückgibt und sie zum Umtausch bringt. Er ist deshalb zu einem der grössten Einkaufstage des Jahres geworden.

Auch zu Silvester habe ich alles abgesagt, um endlich einmal ein wenig Ruhe zu geniessen – zumindest für kurze Zeit. Die hier üblichen Rum-und-Rauch-Parties wollte ich nicht mitmachen, und so habe ich das Neue Jahr besinnlich und mit einem "Woop Woop"-Wein, einem Australischen Bio-Shiraz, eingeläutet. Da hört man fast im Aussprechen schon das Känguru springen, oder?

Für längere Spaziergänge habe ich seit einigen Wochen wenig Zeit, zumindest aber habe ich gute Ausreden … weil das Wetter so schlecht, so nass und so kalt ist. Aber dennoch ist es immer wieder wie ein Eintauchen in eine andere Welt, wenn ich mich dann aufmache:

Spannend ist der Frachtverkehr, der sich hier in dieser kleinen Meerespassage täglich abspielt. Besonders während der Nacht – und das kann oft auch sehr laut sein, wenn der Wind in die "richtige" Richtung geht. Die Frachter sind dann beleuchtet und schauen aus wie Weihnachtsbäume. Ein relativ kleines Boot zieht dabei mehrere Gross-Container oder gebündelte Baumstämme (mit einer Gesamtlänge von ungefähr einem ½ Kilometer!). Manchmal geht eine Fracht in Richtung Vancouver, und wenige Stunden später sieht man die gleiche Fracht wieder zurückkommen … vielleicht gibt’s da auch so viel "leeren" Frachtverkehr wie in Europa. Wer weiss?

Manchmal kommen einfach auch Segelboote und kleine Fischkutter vorbei – beziehungsweise bleiben letztere oft einen ganzen Tag draussen "stehen" zum Fischen.

Seit Dezember bin ich auch mobiler. Ich habe nämlich, zumindest zeitweise, ein Auto von Nachbarn zur Verfügung, die zurzeit in Mexico weilen. Das tun übrigens sehr viele von hier in diesem Winter.

Das Auto ist jedenfalls ein geländegängiger Allrad, der für den extrem steil abfallenden Weg hier perfekt ist. Nur bei Schnee funktioniert auch das nicht mehr. Ich benütze ihn aber nur, wenn es sein muss, denn er braucht auf hundert Kilometer doch ungefähr zwanzig Liter Benzin. Und das ist selbst in Amerika nicht mehr billig. Zudem sehe ich die Luftverschmutzung durch solche Riesenautos nicht wirklich ein.

Die Landschaft mit ihrer Vegetation hat für mich etwas sehr Vertrautes und Mystisches. Es ist oft, als würde hier eine "andere Zeit" sprechen und ihre alten Geschichten erzählen. So zum Beispiel die immergrünen "Canadischen Zedern", die Moose, die die Felsen überziehen … oder ganz einfach die Regentropfen auf den Bäumen vor dem Haus.

 

Auch das Tierleben hat hier manchmal etwas sehr Geheimnisvolles. So beginnt es nachts oft heftig zu poltern unterm Haus, oder es tappt "etwas" über die Veranda – und wenn's hoch hergeht, dann schaut dieses "Etwas" auch zur Glastüre herein: nämlich ein Waschbär, oder manchmal auch gleich mehrere. Normalerweise kommen sie als ganze Familie. Dementsprechend laut kann es dann auch werden.


Fotos: Richard Trueman

Den Pumas bin ich heuer noch nicht direkt begegnet. Muss aber auch nicht wirklich sein. Ich habe jedoch ein Foto vom Nachbarn bekommen, der vor kurzem einmal einen solchen "Besuch" hatte.


Foto: Richard Trueman

Es kann auch vorkommen, dass eines frühen Morgens ein Adler auf dem Baum sitzt, der vom Zimmerfenster aus zu sehen ist … das ist etwas äusserst Seltenes und deshalb auch Besonderes.

Spannend ist auch eine grosse Gruppe von Enten, die immer wieder hier auftaucht und in ganz verschiedenen Formationen in die Bucht herein schwimmt. Man sagt, dass es gutes Futter gibt, dort wo sie auftauchen.

Seit Anfang Jänner gibt es hier immer wieder starke Erdbeben, die teilweise nur ein paar hundert Kilometer entfernt sind, und generell bebt es ziemlich von Alaska die gesamte Küste hinunter bis Chile und zur Antarktis. Insgesamt fühlt sich das hier am Meer derzeit sehr schwankend an – fast so, als würde man sich auf einem Schiff mit hohem Seegang befinden.

Mit zwei Fotos will ich mich für diesmal von euch verabschieden. Da ist zum einen das Kompositions- und Tonstudio von Ann, das neben "meinem" Haus im Wald zu finden ist. Und dann der Buddha, der hier steht – mit einem tiefen Spalt im Holz, lachend und mit einer Ente am Kopf.

 

Bis zum nächsten Mal dann – ich wünsche euch eine gute Zeit!

Magda

 

 

 

1221 04    Amerikanischer Bison

www.orf.at 21.12.2007

 

Der Geist "Sitting Bulls"

"Unsere Leute wollen leben, nicht nur überleben oder herumkriechen und Maskottchen sein."

Dutzende Verträge wurden geschlossen und wieder gebrochen. Mehr als 200 Jahre nach den ersten Friedensabkommen ziehen in den USA nun die Erben "Sitting Bulls" wieder in den "Kampf" gegen die Regierung.

Mitte der Woche erklärten die Lakota-Sioux alle historischen Verträge mit Washington für nichtig - und proklamierten ihre Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten. Eine Delegation übergab eine entsprechende Erklärung an das US-Außenministerium.

"Nicht länger Bürger der USA"
Das Territorium der Lakota umfasst heute Teile Nebraskas, Nord- und Süddakotas, Montanas und Wyomings.

Sollte die US-Regierung nicht auf diplomatischem Weg auf die Erklärung reagieren, würden die Lakota Pfandrechte auf Eigentum in diesem Gebiet verfügen, drohten Lakota-Vertreter bei einer Pressekonferenz in Washington.

"Wir sind nicht länger Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, und alle, die in diesem Fünfstaatengebiet leben, können sich uns anschließen", sagte Russell Means, Schauspieler sowie langjähriger und führender Aktivist des Lakota Freedom Movement.

Eigene Pässe, keine Steuern
Der neue Sioux-"Staat" im Staat wolle seine eigenen Reisepässe und Führerscheine ausstellen, hieß es. Steuern soll es keine geben, vorausgesetzt, die Bürger legten ihre US-Staatsbürgerschaft zurück.

Indigene sehen sich im Recht
Als Grund für den Schritt nennen die Lakota, dass die US-Regierung die geltenden historischen Verträge nie eingehalten habe - und sehen sich deshalb selbst im Recht.

"Der Schritt entspricht den Gesetzen der Verfassung der Vereinigten Staaten, insbesondere Artikel sechs der Verfassung", erklärte Means.

Dieser Artikel erhebt die Verfassung selbst sowie alle Abkommen, die die USA unterzeichnen, zu den höchsten Gesetzen des Landes. Folglich müsse das auch für die Abkommen mit den Sioux gelten, in denen den Indianern u. a. uneingeschränkte Rechte an ihrem Land zugesichert wurden, folgert der Lakota-Aktivist.

Historischer Vertrag von Fort Laramie
Zwei dieser entscheidenden Abkommen waren 1851 und 1868 unterzeichnet worden. 1851 trafen sich Tausende Vertreter der Lakota, Cheyenne, Arapaho und anderer Stämme am Horse Creek in Wyoming.

Ergebnis war ein Vertrag, in dem die US-Regierung das Territorium der Lakota anerkannte. Washington erhielt im Gegenzug die Erlaubnis, Straßen und Bahnlinien durch das Gebiet zu bauen.

1868 wurde im Abkommen von Fort Laramie (Wyoming) ein großer Teil Süddakotas als Land der Indianer zur uneingeschränkten Nutzung durch die "Great Sioux Nation" festgelegt.

"Sie nehmen immer noch unser Land"
Doch daran, so das Lakota Freedom Movement, halte sich die Regierung in Washington bis heute nicht.

"Wir haben 33 Verträge mit den Vereinigten Staaten, die sie nie befolgt haben. Sie nehmen immer noch unser Land, unser Wasser, unsere Kinder", beklagt die Sioux-Aktivistin Phyllis Young.

"Kopien der Weißen"
Die "Annexion" des indianischen Territoriums habe zur Folge gehabt, dass "einst stolze Stämme wie die Lakota zu Kopien der Weißen" geworden seien, so Means.

Den Reihen der Lakota entstammen die legendären Stammeschefs "Crazy Horse", "Red Cloud" und "Sitting Bull", der Anführer der letzten großen Freiheitsbewegungen der nordamerikanischen Indianer von 1866 bis 1876.

"Leben, nicht Maskottchen sein"
In ihren Unabhängigkeitsbestrebungen sehen sich die Lakota währenddessen auch durch die UNO-Deklaration für die Rechte indigener Völker gestärkt.

Diese soll indigenen Völkern ihr Recht auf Selbstbestimmung, kulturelle, politische und soziale Rechte, den Zugriff auf natürliche Ressourcen und Landrecht garantieren.

"Unsere Leute wollen leben, nicht nur überleben oder herumkriechen und Maskottchen sein", so Young.

Triste Lebensumstände
Die soziale Situation der Lakota-Sioux ist, wie die der übrigen nordamerikanischen Indianer, trist.

Männer haben laut Lakota Freedom Movement eine durchschnittliche Lebenserwartung von 44 Jahren. Die Suizidrate bei Jugendlichen liegt 150 Prozent über dem US-Durchschnitt, die Kindersterblichkeit ist fünfmal höher als unter weißen US-Amerikanern.

 

 

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3.Bericht aus Canada

 

Cortes Island – 2.März 2008

 

Hello, ihr Lieben –

 

wieder ist einige Zeit vergangen, und es tut sich viel und dann doch wieder nichts. Nachdem ich jedoch dem schreibenden Teil der Menschheit angehöre, kann ich wohl alles über nichts schreiben … und natürlich auch nichts über alles. Schauen wir einmal, was ich diesmal aus dem Ärmel zaubern kann:


Stimmungen …

Jänner und Februar waren ziemlich kalte Monate für die Westküste hier, und die Wettervorhersagen waren mehr als schlecht. Aber: es ist oft nicht so gekommen, wie es vorhergesagt war. Die beste aller Wetteransagen allerdings war die folgende:

"Sunny with cloudy periods except cloudy with sunny periods over northern sections", also: Sonnig mit wolkigen Abschnitten, ausser wolkig mit sonnigen Abschnitten über den nördlichen Bereichen. Ich finde das immer herrlich.

Im Jänner hatten wir sehr schöne Vollmondnächte bei eisigster Kälte. Am Vollmond-Abend selber kam mir die wunderbare Idee, dass ich den Mond vom Wasser aus sehen möchte. Dann habe ich die Nachbarin angerufen und sie gefragt, ob sie mitmacht. Ich in meinem kleinen Plastikkajak und sie in ihrem grossen Kanu. Unerwarteter Weise war sie sofort begeistert.

Gesagt – getan, habe ich mir dann alle warmen Kleidungsstücke angezogen, die Schwimmweste drüber – und dann ist es auch schon losgegangen. Nun, ob ich das Boot überhaupt Kajak nennen kann, weiss ich nicht. Es fühlt sich drinnen eher so an wie in einer Plastikschüssel. Aber es war lustig. Und ziemlich kalt unter mir. Wir haben es jedenfalls nicht mehr draussen auf dem Wasser erwartet, bis der Vollmond über die Berge kam, denn inzwischen war es finster und wir schon halb erfroren. Wir haben das Schauspiel dann von einem Felsen aus mit einem warmen Tee in der Hand erlebt.


Einige Fotos sind von Irene Blueth; sie sitzt im Kanu; ein Foto ist vor ihrem Haus gemacht

Die Kanadier sind aber insgesamt weniger kälteempfindlich als unsereine(r). So hatten wir gegen Ende Jänner und Temperaturen unter 0 Grad ein Geburtstagspicknick am Strand. Brrrr, zum Glück war die Suppe heiss und scharf. Die sind da ziemlich winterhart.

In den letzten Wochen waren wir einige Male eingeschneit und zwischendurch war es oft bitterkalt. Sogar unser See war für lange Zeit zugefroren. Hier am Meer bleibt der Schnee zwar nicht sehr lange liegen, aber dann wollte ich einmal zur Post und einkaufen fahren (was ich sowieso nur äusserst selten mache), und siehe da, bereits oben am Hügel war tiefster Winter. Mit dem grossen Toyota, den ich da fahre, war das dann mehr eine Schleuderpartie als eine Autofahrt – was ziemlich aufregend ist, denn links und rechts vom schmalen Weg ist tiefster Wald, und da wollte ich nicht unbedingt landen. Es hat zwar dann dreimal solange gedauert als sonst, aber es ist alles gut gegangen. Und viele Leute beschweren sich über den schlechten Winter – aber für mich war er eher ruhig, mit vielen sonnigen und mondklaren Zeiten.


Strand mit Weisskopfadler weiter hinten auf einem grossen Stein
Hague Lake, der grosse See von Cortes – knapp bevor er dann drei Wochen zugefroren war
Enten und Biber (Foto: von Cortes Website)

Tierisches gibt es auch wieder zu berichten: so waren eines Nachts im Jänner mein Hauskater Indaba und ich doch ziemlich erstaunt, als plötzlich ein Reh beim Fenster hereingeschaut hast. Er war danach ziemlich aufgeregt. Seither aber kommen öfter Rehe vorbei, und jetzt kümmert er sich nicht mehr wirklich darum.

Und er selbst, Indaba - dieser schwarze Panther, hat auch wieder einiges präsentiert: Wer hier der "Ureinwohner" und damit der Herr des Hauses ist, war von Anfang an völlig klar – mit allen damit verbunden Rechten und Privilegien (und wer somit für ihre Einhaltung und Erfüllung zuständig ist, war natürlich auch gleich entschieden). Traditionellerweise werde ich am Morgen immer von ihm angemaunzt, mit einem  leisen Untertun der Vorwürflichkeit, nach dem Motto "Wie ist es möglich, dass ich noch immer keinen Thunfisch habe? Wie kann sie das bloss ständig überhören?" – Dann läuft er mir auf Schritt und Tritt nach, verfolgt mich; knabbert gelangweilt in seiner Futterschüssel herum, mit einem Auge immer nach mir Ausschau haltend, ob ich denn nicht endlich einsehen würde, wie sehr dieses Trockenfutter unter seiner Würde ist. … Bis ich dann endlich die auf die Idee gekommen bin, dass ich ihn auf den Teppich setze, ihn seitlich umwerfe und dann ganz fest massiere. Und siehe da, er schnurrte und war zufrieden. Nun, wer würde auch schon eine tägliche professionelle Morgen-Massage (das Welleness-Angebot Nr.1 hier) wirklich ablehnen? Seit er draufgekommen ist, dass ihm das gefällt, wirft er sich nun selbst schon in Pose. Schlaues Kerlchen – aber er ist ja echt ein süsses Tier. Er vertraut mir absolut, geht mit mir sogar auf längere Spaziergänge, was er sonst nie im Leben gemacht hat und spielt leidenschaftlich mit Katzenminze-Mäusen und Papierkugerln. Am liebsten allerdings mit mir. Ich glaube, er ist ziemlich sportlich und schlank geworden während dieses Winters.


Indaba nach vollbrachter Tat …

Nur wenn ich Holz draussen mache, dann ist es ein wenig gefährlich mit ihm, weil er glaubt, das sei auch ein spannendes Spiel. Aber meistens sitzt er sowieso auf seinem Beobachterposten oben am Dach und schaut den quirrligen Eichhörnchen nach, oder er lässt sich von ein paar niedrig fliegenden Vögeln herausfordern.

Auch nachts gibt es immer wieder "Kater-Zeit": Indaba geniesst einfach und streckt mir dann seine Katzenbrust entgegen, mit der Aufforderung "Du weißt doch, die Bauchmassagen, die sind am besten!" … schnurrr! Genuss pur! Und er  kann wirklich so laut schnurren wie ein Motorboot draussen am Meer, …

Die beste Nummer aber kommt erst: eines Nachts bin ich aufgewacht und habe mich zuerst überhaupt nicht ausgekannt. Dann, als ich noch ein bisschen wacher geworden bin, höre ich Musik spielen, und es ist Ann's Musik (die, der das Haus und der Kater gehören). Ich gehe hinunter, und da sitzt er und schaut mich ganz gross an, so als wollte er sagen: "Gefällt es dir? Das ist meine Mommy". Unglaublicherweise hat er von einem Dreifach-CD-Wechsler genau die mittlere Taste getroffen, und die CD habe ich erst am Vortag hinein gegeben, weil ich mir ein Lied genauer anhören wollte. Als ich dann wieder im Bett war, habe ich mich vor Lachen kaum halten können – denn einen Kater als Disk-Jockey im Haus zu haben, ist wohl etwas ziemlich Einzigartiges.


Adler, der soeben abhebt

Die Abenddämmerung ist immer eine ganz eigene Zeit, denn da präsentiert sich oft eine ungeahnte Geräusch- und Schauspiel-Kulisse: die Raben verabschieden sich laut krächzend, während der Adler noch einmal lautlos eine Runde zieht. Der Blaureiher nimmt seinen Platz ein und wartet, bis es ganz ruhig wird …. Seehunde plätschern, Möwen kreischen, Enten geben noch ein paar schnatternde Töne von sich, der Horizont verfärbt sich ständig, der Mond steht hoch … oder es ist komplett finster, Sternenhimmel vielleicht.

Zwischen mir und den Raben gilt übrigens eine tägliche Morgenwette: "Wer zuerst da ist, der …" Manchmal bin ich es, manchmal sie, und manchmal verschlafen sie einfach alles.

Und schliesslich war da noch der Groundhog-Day am 2.Februar, der Murmeltiertag. Es heisst da, dass der Frühling noch mindestens sechs Wochen auf sich warten lässt, wenn an diesem Tag das Murmeltier herausschaut aus seinem Loch und seinen Schatten sieht. Und was war? Natürlich hat die Sonne geschienen, und die Murmeltiere hatten hundert Mal die Gelegenheit, ihren Schatten zu sehen. Aber was tun die Kanadier? Sie schreiben mir emails mit der Behauptung, dass das nicht stimmt, weil die Murmeltiere heute zu faul gewesen wären und deshalb gar nicht herausgekommen sind, und also …. So ein Schmäh! Das Wetter ist seither verregnet, kalt, nebelig … und jetzt sind wieder Sturm und Regen angesagt. "Und täglich grüsst das Murmeltier" (sogar ins Kino hat es dieses Tierchen 1993 damit  geschafft).


Geschäftsbereich von "Squirrel Cove" mit Tankstelle (das ist eine von drei Einkaufsmöglichkeiten von Cortes
Kanu-Verleih – links im Hintergrund das Indianer-Reservat von Cortes
(Nahaufnahme) Reservat, in dem noch ca. 70-100 Menschen leben …

Über den kanadischen Geschmack will ich auch noch ein Wörtchen verlieren: Eines Tages hatte ich jemanden zu einem Geburtstags-Nachmittags-Tee eingeladen. Es gab Muffins, die mit Schokoladesplittern, Trockenfrüchten und Zimt gemacht waren, und zusätzlich waren sie noch mit einer leichten Zuckerschicht überzogen. Nach österreichischer Manier habe ich sie mit Schlagobers und heissen Himbeeren serviert. Da kam plötzlich der erstaunte Ausruf: "Was für eine wunderbare Idee ...". Ich hatte zuerst keine Ahnung, was sie meinten, aber sie haben mir dann erklärt, sie würden Muffins aller Art (genauso wie Brownies) mit gesalzener Butter, Käse oder Avokadocreme essen. Brrr … Nun, davon konnten sie mich nicht wirklich überzeugen, abgesehen davon, dass ich mich für diese Bäckereien sowieso nicht wirklich erwärmen kann.

Apropos Essen: Der neueste Trend hier richtet sich gegen Fast-food aller Art und hat den Titel "Slow-food", wobei es darum geht, dass die Lebensmittel so gut wie möglich von der Umgebung gekauft wird, zudem keine Fertigprodukte in den Einkaufskorb kommen, man wieder jede Mahlzeit selber kocht und man sich wieder viel Zeit nimmt für das gemeinsame Essen. Da sind die Menschen auf Cortes wirklich sehr kreativ.


Mein besonderer Platz auf dieser Insel "Channel Rock" – sehr versteckt, tiefster Wald, kaum erschlossen …
das letzte Bild zeigt das einfache Grab einer berühmten Frau, Gilean Douglas, die hier lange Zeit gelebt hat. Über sie gibt es auch Bücher.

Das Meer hier so nahe zu haben, ist auch wirklich eine wunderbare Sache im Bezug auf die Ernährung: täglich kann ich hinunter gehen und frische Algen essen, direkt aus dem Wasser in den Mund. Zudem könnte ich auch Austern essen, sooft ich möchte. Aber die behalte ich mir wirklich als Spezialität vor. In den letzten Tagen bin ich allerdings etwas vorsichtiger geworden, als ich die "neuesten Neuigkeiten" gelesen haben:

Dabei geht es um Testabschüsse radioaktiver Waffen hier in "unseren" Gewässern, über die ein kleiner Privatsender bereits im Vorjahr berichtet hat. Infolge dessen ist dann jemand von Cortes der Sache genauer nachgegangen, und er hat jetzt in einer Umweltzeitschrift einen Artikel veröffentlicht, vor allem auch im Hinblick auf zunehmende Lungen-Krebsfälle. Er ist auf den Schluss gekommen, dass es sich weitgehend um die selben Krankheitssymptome wie bei den Veteranen z.B. des Vietnam- und des ersten Irak-Krieges handelt. Ich selber habe auch immer wieder unglaubliche Tetonationen gehört und mir oft gedacht, dass das nicht wie eine Sprengung klingt. Man hat dabei das Gefühl, dass innerhalb weniger Minuten eine haushohe Welle vom Meer hereinkommen müsste. In diesem Fall handelt sich um Waffen, die mit den Abfallprodukten der Uranium-Anreicherung geladen werden. Und sie müssen immer wieder abgeschossen und neu geladen werden, weil sie sonst ihre Funktionstüchtigkeit verlieren. Bei den Abschüssen gelangen tausende Tonnen von radioaktiven Partikelchen in die Atmosphäre (man sagt, es sei weltweit jährlich ein Tausendfaches von dem, was durch die Hiroshima- und Nagasaki-Bomben verteilt worden ist). Und es handelt sich hier um eine gemeinsame Aktion des US-Militärs mit dem kanadischen Militär.


eine Besonderheit hier sind die sogenannten "out houses", die Aussentoiletten – die sehr praktisch sind, wenn es keinen Strom gibt (denn da funktionieren die normalen Toiletten nicht) oder wenn die Abwasserpumpe kaputt  ist, wie es bei mir fast den ganzen Winter über der Fall war. Die Aussicht dort geht direkt in die romantische Wildnis, und wie das Haus so ist auch dieses Örtchen eines mit Stil  …

Die Leute sind nun "aufgewacht" hier, und langsam kommen sie drauf, dass es die eigenen Regierungen sind, die sie betrügen. Der besagte Mann hat jedenfalls Anfragen an höchste Stellen gerichtet. Doch man hat ihn entweder ständig weiter verwiesen, oder keiner wollte Bescheid wissen oder man hat ihm versichert, dass alles in bester Ordnung sei und auf keinen Fall irgendwelche Gefahren bestünden. Vor allem aber hat man ihn aufgefordert, zu seiner eigenen Sicherheit die Finger davon zu lassen. Deshalb hat er auch in diesem Artikel gemeint, dass es klug sei, nur öffentliche Computer für das Lesen der von ihm angegebenen Webseiten zu benutzen. Andernfalls würde man umgehend auf der Liste der Geheimdienste landen … Ja, schöne freie Welt, oder?


mystisch wie die "Nebel von Avalon"

Mitte Februar habe ich wieder eine Kajakfahrt unternommen, wobei ich mir dann schon einmal vorgestellt habe, wie es wäre, in dieses eiskalte Wasser zu fallen. Nachdem ich jedoch eine Kamera mithatte, war das sowieso undenkbar. Später haben mir die Insider gesagt, dass sie eigentlich nur im Sommer mit den Kajaks und Kanus ausfahren würden. Nachdem ich dann jedoch nicht mehr da bin, nütze ich einfach jetzt meine Chance.

Ich bin eigentlich deswegen ein wenig um die Bucht herumgefahren, weil ich gehört habe, dass dort zurzeit Wölfe sind. Wir haben sie heuer nie gehört, aber die einzelnen Rudel werden immer wieder gesehen. Und man erzählt hier, dass die Wölfe nicht heulen, wenn sich die Rudel teilen, weil sie zu gross geworden sind, was heuer der Fall sein dürfte. Gesehen habe ich sie nicht, aber gerochen. Und dann habe ich mich lieber wieder in mein Boot zurückgezogen. – Später habe ich entdeckt, dass mein Kajak den Namen "Lobo" (Wolf) trägt. … So leise durch das Wasser zu gleiten, heisst auch eintauchen in die Natur. Weiss-violette Quallen sind plötzlich rund um das Boot aufgetaucht, und ich konnte sie mit der Hand berühren. Oder hoch oben auf einem Baum die Adler, die sich gerade paaren. Ein grosser Seehund war auch neugierig und wollte begutachten, wer da so tollpatschig durch das Wasser rudert. Wir haben uns lange Zeit angeschaut, doch sobald ich meine Kamera gezückt habe, tauchte er unter und ward nicht mehr gesehen


zweiter Bootausflug … hoch oben in den Bäumen die Adler

In den letzten Wochen hatte ich grosse "Holz-Aktion". Ich musste nämlich das Holz wieder auffüllen, das ich im Winter verbraucht hatte. Da jedoch die ganze Holzhütte ein ziemliches Durcheinander aufgewiesen hatte, das mir im Winter immer wieder "auf den Kopf" oder besser gesagt auf die Zehen gefallen ist, habe ich alles umgekrempelt und wirklich gerade, und geschlichtete Holzstösse fabriziert, ganz nach europäischer Tradition. Doch das Holzaufschlichten war ziemlich herausfordernd, weil es sich dabei eigentlich um Sägemühlen-"Abfälle" handelt, d.h. es sind Stücke, die auf einer Seite geschnitten sind und hinten noch die Rinde draufhaben (von Riesenbäumen) – also halbrunde, zum Teil unglaublich schwere Stücke, die zudem alle verschieden lang sind. Da war wirklich die österreichische Präzision gut brauchbar. Manche Rinden sind jedoch so trickreich, dass man dann trotz Handschuhen tagelang kleine, harte Stacheln in der Haut stecken hat.


Holzschuppen

Am 20.Februar war Mondfinsternis – um  19.30 unserer Zeit. Es war ein unglaubliches Ereignis für mich und ein Schauspiel, das nur schwer zu übertreffen ist. Das Wetter war schon seit Tagen eine Abfolge von Wolken, Nebel, Regen … und die Vorhersagen waren nicht anders. Wir konnten eigentlich kaum erwarten, dass wir von der Mondfinsternis etwas sehen würden.

Ich bin dann eine Stunde vor dem exakten Vollmond hinausgegangen, ca. fünf Minuten von meinem Haus entfernt auf eine Klippe, wo die Sicht in Richtung Mond gut war. Aber es war dunstig, über dem Meer war es grau, schwarze Wolken sind hinten am Horizont gestanden … Ansonsten war alles absolut still: kein Wellenglucksen, kein Seehund-Plätschern, kein Enten-Schnattern oder Möwen-Kreischen, wie es sonst um diese Zeit eigentlich noch üblich ist. Nichts, aber auch wirklich nichts war zu hören.

Und plötzlich zeigte sich auf dem schwarzen Wolkenrand ein Lichtschimmer. Die Öffnung wurde grösser, und nur Minuten später hat sich der beinahe schon verfinsterte Mond aus den Wolken herausgeschoben …nun, wozu sonst hätte ich denn meinen kleinen Hexenbesen mitgebracht?

Während der nächsten Minuten war am rechten Rand noch das helle Licht zu sehen – und dann stand sie da, diese tieforange Scheibe … über dem Meer. Der Himmel war jetzt komplett offen, Sternenhimmel überall. Es war unbeschreiblich. Und so bin ich dann dagestanden mit offenem Mund und Staunen. Vielleicht fünfzehn Minuten, vielleicht eine halbe Stunde – immer noch bei absoluter Stille, nur ca. zwei Meter oberhalb des Wassers.

Dann haben sich wieder die Wolken hereingeschoben, über den Mond drüber. Die Sterne waren verschwunden. Und für eine Vollmondnacht war es jetzt sehr finster geworden. Bald fiel auch wieder der Nebel über dem Meer ein. Das Schauspiel war vorüber. Zwei Stunden später, um ungefähr neun Uhr ist der Mond dann wieder kurz herausgekommen aus den Wolken, und sein oberes Viertel war immer noch im Schatten …


Mondfinsternis … und Mondaufgang am nächsten Abend

Ein weiteres Schauspiel ist das jährliche Schulspiel der Privatschule Linnea, für welches heuer J.R.R.Tolkiens "The Hobbit" auf dem Programm steht, und es findet gerade dieses Wochenende statt. Bei der Generalprobe war ich Pressefotografin, weil der Profifotograf der Insel seit einigen Monaten in Mexiko weilt (das ist der, dessen Auto ich fahre). Am Vorabend habe ich dann die Kamera bekommen, von der ich keine Ahnung hatte, und dann habe ich geschwitzt – vier Stunden lang und ca. 600 Fotos weit. Viel lieber wäre ich an Hobbit Bilbo's Stelle gewesen und hätte all die  Abenteuer mit Drachen, Spinnen, Trollen, Kobolden, Elfen, Feen … durchgemacht. Aber vermutlich hat der Zauberer Gandalf auch auf mich gut geschaut, denn es hat schliesslich alles bestens funktioniert … ausser beim Auswerten und Editieren der Fotos, beim Brennen der DVDs und beim Webseite gestalten: ich glaube, da hat er sich wieder aus dem Staub gemacht, dieser Kerl! - Die Kinder (von 6 bis 14 Jahren) waren wirklich grossartig. Mit viel Humor und allen möglichen Pannen bei der Generalprobe – da können die Aufführungen an diesem Wochenende nur gut gehen. Die Fotos davon sind auf folgenden Seiten zu finden:

http://www.eyeland.ca/hobbit.html

www.cortesisland.com

Die wichtigsten Rollen:


Tor-Impression mit Tor-Hüter Indaba … oft muss ich ein Schild mit "Bitte nicht stören" hinaushängen, weil die Leute sonst einfach ständig vorbeikommen

Der Bericht ist eigentlich jetzt ziemlich lang geworden – speziell für mein Einsiedler-Dasein, denn eigentlich verlasse ich mein Haus nur maximal einmal pro Woche, was auch gut ist. Denn ich habe mehr als genug zu tun, und die beiden Bücher, an denen ich gerade schreibe,  nehmen an Umfang zu …

Einmal hatte ich ein grösseres Handikap, und ich musste auf Handschrift umsteigen, als nämlich die Tastatur meines Computers kaputt war. Ausgerechnet die Pausen-Taste (vielleicht war das eine Aufforderung) hat nicht mehr funktioniert. Und es hat zehn Tage  gedauert, bis ich dann eine externe Tastatur bekommen habe. Es sieht auch so aus, als wäre dieser Laptop schon ziemlich gezeichnet (nach tausenden von getippten Seiten kein Wunder) und vermutlich wird er bald endgültig das "Zeitliche segnen". Ein paar Wochen brauche ich ihn noch … Und dann ist ja bereits wieder Zeit zur Heimreise. Das letzte Drittel meiner Zeit hier hat begonnen.


Der Frühling kommt – spät aber doch hier. Die Krokusse blühen normalerweise schon im Februar. Auch die Fische im Teich tauchen nach dem langen Frost jetzt wieder auf …

Ich hoffe, euch allen geht es gut, und ich wünsche euch jetzt schon einen schönen Frühlingsbeginn! Er zeigt sich ja schon auf allen Ebenen! Wir stellen nächste Woche bereits auf Sommerzeit um und kommen uns da daher für einige Zeit um eine Stunde näher!

liebe Grüsse – Magda

 

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4.Bericht aus Canada

 

23.April 2008

 

liebe Freunde,

 

meine Zeit hier in Canada neigt sich dem Ende zu, mit einem intensiven Finale, denn ein grosser Palast mit ungefähr 50% Glasflächen will auch gereinigt, der Garten versorgt, der Rauchfang gekehrt sein, usw.

 

Wir hatten kalte Monate, denn so wie schon im Winter, lagen die Temperaturen im März und April auch weit unter dem Durchschnitt. Erst Mitte April hat es einen Tag gegeben, der wärmer war – und selbst da hat uns der Wind kalt um die Ohren geweht. Vergangenes Wochenende war dann die Verwirrung perfekt, denn die Wettergötter hatten nichts anderes im Sinn, als uns tagelang Schnee und Frost zu bescheren. Wir sind hier zwar einigermassen verschont geblieben vom Schnee, doch der ganze Süden von Vancouver Island war in eine Schneedecke von bis zu 70cm gehüllt. Auch heute Morgen hatten wir noch einmal Frost, doch bis zu meiner Abreise sollte es dann wärmer werden – natürlich!

 

Ebbe und Flut in ihrem Wechsel haben es mit sich gebracht, dass das Wasser jetzt oft sehr weit zurückgeht. Eines Sonntags konnte ich zu zwei anderen Inseln zu Fuss hinüber gehen – über ganze Bänke von Austern allerdings. Die Vogelbevölkerung dort war aber alles andere als begeistert. Jeder hat jeden alarmiert. Die Möwen die Enten, die Enten die Krähen, die Krähen die Raben und die Raben die Adler … und die wollten sich überhaupt nicht mehr beruhigen. Sie haben mich im wahrsten Sinne des Wortes "ausgepfiffen".

 


"Low Tide" – das ist jene Zeit, wo Inselwanderungen möglich sind,
weil sich das Wasser ganz zurückgezogen hat …

 

Die täglichen Stimmungen waren immer wieder prächtig, Mond- und Sonnen-aufgänge gab es fast immer, wenn es auch dann später eingetrübt, gestürmt, gehagelt, geschneit … hat und dann auch der Strom ab und zu wieder weg war. Und dann gab es auch Besonderheiten, wie diese berühmten "Sundogs", die ich früher schon beschrieben habe und die eine Art Luft-Eis-Spiegelung darstellen. Dabei entsteht rund um die Sonne ein weiter Kreis, auf dem sich links und rechts die Sonne spiegelt. Diesmal war dann auch noch zusätzlich direkt über mir ein halbkreisförmiger Regenbogen zu sehen, mitten am Himmel oben.

 

Einige Male ist in der Nacht ein riesiges Schiff (vermutlich ein Torpedo) mit enormer Geschwindigkeit und extrem lautem Motor hier durchgerast und kurze Zeit später wieder zurück. Das war ziemlich furchterregend, denn danach sind hohe Flutwellen für eine ganze Weile gegen die Küste gekracht. … Und in diesen Nächten ziehen schon die grossen Kreuzschiffe vorbei.

 

Trotz der langen Kälte haben sich j Tier- und Pflanzenwelt gut entfaltet. In der Welt der fliegenden Kreaturen ist jetzt Paarungszeit, und da tut sich natürlich einiges. Die Raben geben plötzlich Töne von sich, wie man sie sonst nur den kleineren Singvögeln zutrauen würde. Bei den Waschbären mündet die Paarungszeit immer wieder in ein unglaubliches Gezetter, und ich schaue dann nur, dass das Katzerl im Haus ist, denn für sie ist Indaba eindeutig zu zart.

Ansonsten schwimmen draussen ein paar Ottern in der Bucht herum, während sich im Haus herinnen die Ameisen auszubreiten versuchen. Die Woody Woodpeckers, also die grossen Spechte, trommeln dazu im Takt. Die "Canada Geese", eine spezielle Wildgänseart hier, beginnen ihren Flug nach Norden und bevölkern dann über Tage die Küstengebiete. Schnatternd, und in riesigen V-Formationen fliegen sie dann weiter, nachdem sie die Spazierwege und Strände mit allerhand Gänsedreck überzogen haben.

 

 

Delphine reisen immer wieder in Gruppen durch, eigentlich sind es Zwerg-Delphine, die man hier Porpoises nennt (das Foto ist von der Cortes-Webseite). Wale habe ich nach wie vor keine gesehen, genauso wenig wie ich die Wölfe heulen gehört habe.

 

 

Ein ziemlich bedenkliches Phänomen hat sich heuer gezeigt: es sind nämlich einige Adler buchstäblich "vom Himmel gefallen", so wie diese Jungadler-Dame auf dem Bild. Sie war komplett ausgehungert, und nach drei Tagen intensiver Fütterung war sie soweit, dass sie zumindest am Boden wieder laufen konnte. Insgesamt war sie aber schon sehr neugierig. – Der Grund für das Ganze ist, dass die Nahrungskette der Tiere überhaupt nicht mehr stimmt. Die Gewässer sind ausgefischt, und die Adler finden kaum mehr Lachse, usw. Sie fressen dafür dann das Gelege oder die Jungtiere der Blau-Reiher. Das Ungleichgewicht ist wirklich schon sehr greifbar!

Es gibt da eine Prophezeiung aus dem Stamme der Cree, die folgendes besagt: "Eines Tages wird aufgrund der Gier des weissen Mannes eine Zeit kommen, in der die Fische in den Flüssen sterben und die Vögel vom Himmel fallen, die Gewässer werden schwarz sein und die Bäume nicht mehr existieren. Die Menschheit, wie wir sie kennen, wird es dann nicht mehr geben."

 

 

Die Kolibris sind seit einigen Wochen zurück, und sie sind eine faszinierende Welt in sich selbst. Mit einer enormen Geschwindigkeit und einem laut surrenden Geräusch kommen sie angeflogen und stoppen im Nu ab. Als einzige Vogelart fliegen sie auch rückwärts, und ihre Flügel bewegen sich in einer Achterform. Dadurch erreichen sie Geschwindigkeiten von ungefähr 50 kmh. Im Winter begeben sich diese winzigen Tiere nach Süden und fliegen bis zu 4000km, um dann den ganzen Weg wieder zurück zu fliegen. Jetzt sind sie hungrig, und die meisten Leute hängen hier sogenannte "Hummingbird-Feeders" mit einer Art Zucker-Necktar-Flüssigkeit auf. Die Farbe Rot zieht sie absolut an, und sie fliegen auch nur zu roten Blüten.

 

Mit Indaba, dem Kater treiben diese kleinen Vögel ihren Spass, und er kennt sich manchmal überhaupt nicht aus, wenn sie so direkt über seinen Kopf fliegen. Und zum Fangenspielen sind sie ihm eindeutig zu schnell.

 


Der Rauchfangkehrer musste hier in schwindelnde Höhen hinauf, und der Job konnte aufgrund seiner Gefährlichkeit an diesem Haus nur mit zwei Mann in Angriff genommen werden

 

Eines Tages gab es im Haus einen Heisswasser-Rohrbruch, und Indaba war in Panik. Er hat mich fixiert und geschaut, wie ich drauf reagiere. Das dampfende Wasser hat sich in Windeseile über den Boden ausgebreitet, aber mit Hilfe eines Nachbarn war es dann schnell wieder unter Kontrolle. Nur die Küche und der Boden waren einige Tage lang nass.

Wenn es frischen Fisch gibt, also zum Beispiel Scholle, was eher relativ selten vorkommt, dann wird Indaba komplett aufgeregt. Er sitzt fast direkt neben dem Herd und bewacht minuziös die Pfanne, läuft mir nach, damit ich nur ja nicht darauf vergesse, dass da etwas Wichtiges auf ihn wartet … und seine Stimme wird dabei piepsend und eher ziemlich durchdringend.

 

 

Die Pflanzenwelt steht in voller Pracht, die Tulpen und Hyazinthen sind aufgeblüht, und alle scheinen dem Frost aus ganzer Kraft zu trotzen. Die Moose in den Wäldern blühen, doch ist es momentan so trocken, dass sie unter den Füssen knirschen und zerfallen. Wenn es allerdings einige Zeit regnet, dann werden sie sich schnell wieder erholen. Regen wird auch für die Wasserreserven notwendig werden. Es hat in diesem Winter nämlich nie wirklich lange Regenperioden gegeben, und die Wasserreservoirs sind fast leer.

 

 

Wenn die Ebbe sehr niedrig ist, dann wird hier auch die ganze Pracht der Unterwasserwelt sichtbar: violette und orange Seesterne sind oft in Massen an den Felsen gelagert, so dass alles ganz farbig erscheint. Und dazu gibt es auch noch jede Menge Seeigel, Seegurken und Seeanemonen. Barfuss schwimmen gehen ist hier im Sommer sicherlich nicht angesagt.

 

Genug berichtet, denn die Zeit verläuft sehr schnell, und ich habe noch so manches zu erledigen. Bald bin ich auf Reisen, und ich werde dann für einige Zeit nicht erreichbar sein. Ein Grund dafür ist auch, dass mein Computer nach guter Arbeit und vielen Jahren sich nun endgültig verabschiedet und ich dann erst nach einem neuen Ausschau halten werde.

 

Indaba und ich verabschieden uns – ich werde ihn sehr vermissen … und er mich glaube ich auch, denn er spürt schon, dass sich da etwas ändert und will nur mehr in meiner Nähe sein. Ich wünsche euch eine gute Zeit, bis zum nächsten Jahr und neuen Berichten!

Magda

 


Blick Richtung Victoria und Vancouver hinunter …

 

 

Ende März gab es auf der ORF-Seite folgende Berichte

 

Kanada: Jagd auf 275.000 Robben hat begonnen

Begleitet von massiven Protesten zahlreicher Tierschützer hat heute in Kanada die Jagd auf 275.000 Robben begonnen. In der Morgendämmerung starteten die ersten Fangschiffe im Golf von St. Lorenz an der Ostküste des Landes.

Der kanadische Fischereiminister Loyola Hearn versicherte, die Regierung tue alles, um die Robbenjagd "menschlich", sicher und nachhaltig zu gestalten. Tierschutzorganisationen sprachen dagegen von einem "grausamen" Schlachten.

Das Fischereiministerium hatte schon vor zwei Wochen 275.000 Sattelrobben zur Jagd freigegeben. Das sind 5.000 mehr als im vergangenen Jahr. Erstmals werden die Jäger 2008 unter anderem verpflichtet, die Schlagader der Tiere zu durchtrennen, um sie ausbluten zu lassen. Damit wollen die Behörden sicherstellen, dass die Robben wirklich tot sind, ehe sie gehäutet werden.

IFAW: Regeln werden nicht beachtet
Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) kritisierte die neuen Regularien als weitgehend unwirksam. "Bisherige Regeln wurden kaum beachtet, warum sollte das nun anders sein?", sagte IFAW- Robbenexperte Ralf Sonntag. Zudem würden weiterhin manche Tiere lebend mit Stahlhaken zu Sammelstellen gezogen und erst dort getötet.

"Unmenschliche" Methoden
Vor allem die Modeindustrie in Norwegen, Russland und China ist an Robbenfellen interessiert. Die USA dagegen verhängten bereits 1972 ein Importverbot für kanadische Robbenprodukte.

Die EU-Kommission warf Kanada zwar "unmenschliche" Methoden bei der Jagd auf Robben vor. Konkrete Maßnahmen gegen das Land würden derzeit jedoch nicht diskutiert, hieß es.

Bisher verboten Belgien und die Niederlande die Einfuhr von Robbenprodukten, Deutschland arbeitet an einem entsprechenden Gesetz.

 

Kanada: Robbenjagd nach Schiffsunglück gestoppt

Einen Tag nach dem Start der alljährlichen Robbenjagd-Saison an der Ostküste Kanadas hat ein tödlicher Unfall die Jagd überschattet und vorerst so gut wie gestoppt. Taucher bargen gestern vor der kanadischen Küste aus einem gekenterten Schiff die Leichen von drei Robbenjägern. Nach einem vierten Vermissten wurde im eisigen Wasser des St.-Lorenz-Golfs gesucht. ….

 

Kanada: Küstenwache kollidiert mit Schiff von Tierschützern

Die alljährliche Robbenjagd vor der Ostküste Kanadas ist von einem zweiten Zwischenfall überschattet worden. Im St.-Lorenz-Golf kollidierte ein Schiff von Tierschützern mit einem Eisbrecher der kanadischen Küstenwache.

Nach Behördenangaben "streifte" das Schiff der Küstenwache die "Farley Mowat" der Umweltorganisation Sea Shepherd.

Der Kapitän der "Farley Mowat", Alex Cornelissen, sagte jedoch, sein Schiff sei "gerammt" worden, nachdem er Warnungen vor einer Annäherung an Robbenjäger missachtet habe. "Unglaublich. Es ist, als hätte die Küstenwache Robbenschützern den Krieg erklärt", so Cornelissen.

 

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