Texte zum Hineinwachsen
in eine neue Welt

 

Gespräche mit Gott
Neale Donald Walsch, Band 3

 Dialogpartner:

  • Neale Donald Walsch
     

  • Gott

     

Ich will nicht, dass du gehst!

                        Ich gehe nirgendwohin. Ich bin immer bei dir. Auf allen Wegen

Bitte, noch ein paar Fragen, bevor wir aufhören. Ein paar letzte, abschliessende Fragen.

      Du weißt, dass du dich jederzeit nach innen wenden, zum Sitz der ewigen Weisheit zurückkehren und dort deine Antworten finden kannst, nicht wahr?

Ja, das weiss ich, und ich bin aus tiefstem Herzen dankbar, dass es so ist, dass das Leben so erschaffen worden ist, dass mir diese Hilfsquelle immer zur Verfügung steht. Aber das hier hat für mich funktioniert. Dieser Dialog war ein grosses Geschenk für mich. Kann ich nicht einfach ein paar letzte Fragen stellen?

                        Natürlich.

Ist unsere Welt wirklich in Gefahr? Flirtet unsere Spezies mit der Selbstzerstörung – mit tatsächlicher Auslöschung?

      Ja. Und solange ihr nicht diese sehr reale Möglichkeit ins Auge fasst, könnt ihr ihr auch nicht aus dem Wege gehen. Dem ihr euch widersetzt, das bleibt bestehen. Nur das, was ihr begreift, erfasst, kann verschwinden.
      Denkt auch an das, was ich euch über Zeit und Ereignisse erzählt habe. Alle Ereignisse, die ihr euch vorstellen könnt – ja, vorgestellt habt -, finden jetzt, im ewigen Moment, statt. Dies ist der heilige Augenblick. Dies ist der Moment, der eurem Gewahrsein vorausgeht. Es ist das, was geschieht, bevor euch das Licht erreicht. Das ist der gegenwärtige Moment, der von euch erschaffen, euch geschickt wird, noch bevor ihr es wisst! Ihr nennt das die Gegenwart, „Präsens". Und ein „Präsens" ist sie, ein Geschenk. Es ist das grösste Geschenk, das euch von Gott gegeben wurde.
      Ihr habt die Fähigkeit, aus allen euch je vorgestellten Erfahrungen die auszuwählen, die ihr jetzt erfahren möchtet.

Du hast es schon gesagt, und jetzt fange ich trotz meines beschränkten Wahrnehmungsvermögens allmählich an, es zu begreifen. Nichts davon ist wirklich „real", nicht wahr?

      Nein. Ihr lebt eine Illusion. Dies ist eine grosse Zaubervorstellung. Und ihr tut so, als würdet ihr die Tricks nicht kennen – obwohl ihr die Zauberer seid.
      Es ist wichtig, das im Gedächtnis zu behalten, denn sonst lasst ihr alles ausserordentlich real werden.

Aber was ich sehe, fühle, rieche, berühre, scheint sehr real zu sein. Was, wenn das nicht „Realität" ist, ist es dann?

      Denk immer daran, dass du das, was du anschaust, nicht wirklich „siehst". Dein Gehirn ist nicht die Quelle deiner Intelligenz. Es ist einfach ein Datenverarbeitungsinstrument. Es nimmt über seine Rezeptoren, eure Sinne, Daten auf. Es interpretiert diese formatierte Energie gemäss der Daten, die es früher zu diesem Thema erhalten hat. Es sagt dir, was es wahrnimmt, nicht, was wirklich ist. Du denkst, dass du auf der Grundlage dieser Wahrnehmungen die Wahrheit von etwas kennst, aber in Wirklichkeit kennst du sie nicht einmal zur Hälfte. In Wirklichkeit erschaffst du die Wahrheit, die du kennst.

Einschliesslich dieses ganzen Dialogs mit dir.

                        Ganz sicher.

Ich fürchte, das wird denen weiteren Zündstoff liefern, die sagen: „Er spricht nicht mit Gott. Er erfindet das alles."

      Sag ihnen auf sanfte Weise, dass sie versuchen könnten, ihr Schubladendenken aufzugeben. Sie denken in der Kategorie von „Entweder-Oder". Sie könnten es mal mit einem „Beides/Und" probieren.
      Ihr könnt Gott nicht begreifen, wenn ihr innerhalb des beschränkten Rahmens eurer gegenwärtigen Wertvorstellungen, Konzeptionen und Erkenntnisse denkt. Wenn ihr Gott begreifen wollt, müsst ihr bereit sein zu akzeptieren, dass ihr gegenwärtig nur über begrenzte Informationen verfügt, statt darauf zu beharren, dass ihr über dieses Thema alles wisst, was es zu wissen gibt.
      Ich möchte eure Aufmerksamkeit auf die Worte von Werner Erhard lenken, der sagte, dass man nur dann zu wahrer Klarheit gelangen kann, wenn man bereit ist, folgendes zu beachten: Da ist etwas, das ich nicht weiss. Wenn ich es wüsste, könnte das alles verändern. Es ist ganz einfach möglich, dass du „mit Gott sprichst" und „alles erfindest". Ja, hier ist die grösste Wahrheit: Du erfindest alles. Das Leben ist der Prozess, durch den alles erschaffen wird. Gott ist die Energie – die reine rohe Energie -, die ihr Leben nennt. Durch diese Vergegenwärtigung gelangen wir zu einer neuen Wahrheit. Gott ist ein Prozess.

Ich dachte, du hättest gesagt, dass Gott ein Kollektiv, dass Gott das Alles ist.

      Habe ich. Und das ist Gott. Und Gott ist auch der Prozess, durch den alles erschaffen wird und sich selber erfährt. Das habe ich dir schon offenbart. ... Gott ist ein Prozess. Gott ist keine Person, kein Ort oder Ding. Gott ist genau das, was du immer dachtest – aber nie verstanden hast.

Wie war das?

      Du hast immer gedacht, dass Gott das höchste Wesen, das höchste Sein ist.

Ja.

      Und damit hattest du recht. Genau das bin ich. Ein Wesen in Seinswerdung, das ist kein Ding, es ist ein Prozess. Ich bin nicht das Ergebnis eines Prozesses, ich bin der Prozess. Ich bin der Schöpfer und ich bin der Prozess, durch den ich erschaffen werde.
      Alles, was du im Himmel und auf Erden siehst, bin ich im Prozess des Erschaffenwerdens. Der Schöpfungsprozess ist nie zu Ende. Er ist nie vollendet. Ich bin nie „fertig". Damit wird nur auf eine andere Weise ausgedrückt, dass sich alles fortwährend verändert und wandelt. Nichts steht still. Nichts ist ohne Bewegung. Ihr nennt das kurzerhand „E-motion"! Ihr seid Gottes höchste Emotion!
      Wenn du ein Ding betrachtest, siehst du nicht auf ein statisches „irgend etwas", das in Zeit und Raum „dort steht". Nein! Du bist Zeuge eines Ereignisses. Weil sich alles bewegt, verändert, entwickelt. Alles.
      Gott ist ein Ereignis. Ihr nennt dieses Ereignis Leben. Das Leben ist ein Prozess. Dieser Prozess lässt sich beobachten, erkennen, vorhersagen. Je mehr ihr beobachtet, desto mehr erkennt ihr und desto mehr könnt ihr vorhersagen.

Das ist eine harte Nuss für mich. Ich dachte immer, Gott sei das Unveränderliche. Die einzige Konstante. Der Unbewegte Beweger. In dieser unergründlichen absoluten Wahrheit über Gott fand ich meine Sicherheit.

      Aber das ist die Wahrheit! Die einzige unveränderliche Wahrheit ist, dass Gott sich immer verändert. Das ist die Wahrheit – und daran könnt ihr nichts ändern. Das einzige, was sich nie ändert, ist die Tatsache, dass sich alles immer ändert. Leben ist Veränderung. Gott ist Leben. Daraus folgt, Gott ist Veränderung.

Aber ich möchte glauben, dass das eine, das sich nie verändert, Gottes Liebe zu uns ist.

      Meine Liebe zu euch verändert sich immer, weil ihr euch immer verändert und ich euch so liebe, wie ihr seid. Da ich euch so liebe, wie ihr seid, muss sich meine Liebe, meine Vorstellung vom "Liebenswerten", verändern, da sich auch eure Vorstellung von Wer-ihr-Seid verändert.

Du meinst, du findest mich selbst dann liebenswert, wenn ich beschliesse, dass Wer-ich-Bin ein Mörder ist?

      Niemand tut im Kontext seiner eigenen Weltsicht etwas Unpassendes. Ich liebe euch immer – auf allen Wegen. Ihr könnt auf keinem "Weg" sein, der mich dazu brächte, euch nicht zu lieben.

Aber du wirst uns bestrafen, richtig? Du wirst uns liebevoll bestrafen. Du wirst uns mit Liebe in deinem Herzen und in Trauer darüber, dass du es tun musst, in die ewige Qual schicken.

      Nein. Ich empfinde niemals Trauer, weil es nichts gibt, das "ich tun muss". Wer sollte mich dazu bringen, "es tun zu müssen"? Ich werde euch nie bestrafen, obschon ihr die Wahl treffen mögt, euch in diesem oder einem anderen Leben selbst zu bestrafen, bis ihr diese Wahl nicht mehr trefft. Ich werde euch nicht bestrafen, weil ich nicht verletzt oder beschädigt worden bin – und ihr auch keinen Teil von mir, der ihr alle seid, verletzen oder beschädigen könnt.
      Es mag sich einer von euch dazu entscheiden, sich verletzt oder beschädigt zu fühlen, doch wenn ihr in das ewige Reich zurückkehrt, werdet ihr sehen, dass ihr in keiner Weise beschädigt worden seid. In diesem Augenblick werdet ihr jenen vergeben, die euch, wie ihr meintet, beschädigt haben, denn dann werdet ihr den grösseren Plan verstanden haben.

Was ist der grössere Plan?

      Erinnerst du dich an die Parabel von der kleinen Seele und der Sonne in Band 1?

Ja.

      Diese Parabel hat noch einen zweiten Teil. Hier ist er: "Du könntest dir aussuchen, was für ein Teil von Gott du sein möchtest", sagte ich zu der kleinen Seele. "Du bist absolute Göttlichkeit, die sich selbst erfährt. Welchen Aspekt der Göttlichkeit möchtest du nun als dein Selbst erfahren?"
      "Du meinst, ich habe die Wahl?" fragte die kleine Seele. "Ja", antwortete ich. "Du kannst dir jeden Aspekt der Göttlichkeit aussuchen, den du in deinem Leben, als und durch dein Selbst erfahren möchtest."
      "Okay", sagte die kleine Seele, "dann wähle ich Vergebung. Ich möchte mein Selbst als jenen Aspekt Gottes erfahren, den man vollkommene Vergebung nennt." Nun, das war keine geringe Herausforderung, wie du dir vorstellen kannst. Es gab niemandem, dem man hätte vergeben können. Alles, was ich geschaffen habe, ist Vollkommenheit und Liebe. "Keiner, dem zu vergeben wäre?" fragte die kleine Seele etwas ungläubig. "Keiner", bestätigte ich. "Schau dich um. Siehst du irgendwelche Seelen, die weniger vollkommen, weniger wunderbar sind als du?" ...
      "Ich sehe niemanden, der weniger vollkommen wäre als ich!" rief die kleine Seele. Da trat eine andere Seele aus der Menge vor. "Du kannst mir vergeben", sagte diese freundliche Seele. "Wofür?" fragte die kleine Seele. "Ich werde in deinem nächsten physischen Leben zu dir kommen und etwas tun, wofür du mir vergeben kannst", erwiderte die freundliche Seele. "Aber was? Was könntest du, ein Wesen so vollkommenen Lichts, tun, das ich dir vergeben wollte?" erkundigte sich die kleine Seele. "Oh", gab die freundliche Seele lächelnd zurück. "Ich bin sicher, wir können uns da was einfallen lassen."
      "Aber warum würdest du das tun wollen?" Der kleinen Seele war es ein Rätsel, warum ein Wesen von solcher Vollkommenheit tatsächlich etwas "Schlechtes" tun wollte. – "Ganz einfach, ich würde es tun, weil ich dich liebe", erklärte die freundliche Seele. "Du möchtest dein Selbst als vergebend erfahren, nicht wahr? Abgesehen davon hast du dasselbe für mich getan." – "Das habe ich?" fragte die kleine Seele. "Natürlich. Erinnerst du dich nicht mehr? ... Wir taten es aufgrund einer Vereinbarung, damit jede von uns sich, wir alle uns, als den grossartigsten Teil Gottes erfahren konnten. Denn wir haben verstanden, dass in der Abwesenheit dessen, was du nicht bist, das, was du bist, nicht ist. In der Abwesenheit von "kalt" kannst du nicht "warm" sein. ... Wenn du eine Wahl triffst, etwas zu sein, dann muss irgend etwas oder irgend jemand im Gegensatz dazu irgendwo in deinem Universum auftauchen, um das zu ermöglichen:" Dann erklärte die freundliche Seele, dass diese Wesen Gottes "Spezialengel" und diese speziellen Umstände Gottes Geschenke sind.
      "Ich bitte dich nur um eines im Austausch dafür", sagte sie schliesslich. "Alles, was es auch sei!" rief die kleine Seele. Das Wissen, dass sie die Erfahrung von jedem göttlichen Aspekt Gottes machen konnte, machte sie ganz aufgeregt. Sie verstand nun den Plan.
      "In dem Augenblick, in dem ich dich schlage und peinige, in dem Moment, in dem ich dir das Schlimmste antue, das du dir je vorstellen kannst – genau in diesem Augenblick", so sagte die freundliche Seele, "... solltest du dich daran erinnern, wer ich wirklich bin." – Oh, ich werde es nie vergessen!" versprach die kleine Seele.

zurück

Stand: 26.09.04