Interview nach dem 11.September 2001 mit der Stammesältesten
Grossmutter Sara Smith, Canada

 

Grossmutter Sara Smith ist Mitglied des Schildkröten-Klans - 
eine Frau, Mutter und Grossmutter, welche im „Six Nations Reserve" 
(Reservat der Sechs Nationen) in Ontario, Canada lebt.
 

 
Diane: Was ist durch Ihren Kopf gegangen, als Sie von der Tragödie gehört hatten?

Grossmutter Sara: Ich bin gerade im Verkehrsstau gesteckt, als das Radioprogramm unterbrochen wurde mit einer Schlagzeile, die sagte, dass ein Flugzeug in den ersten Turm des World Trade Center gestürzt ist - und dass wir auf Sendung bleiben sollten. Kurz danach hörte ich vom zweiten Einschlag in den zweiten Turm. Zu allererst dachte ich, dass es sich dabei um eine Einschaltung für einen Film handelt - dann war es nichts als Zweifel. Ich dachte auch noch, dass das Finanzzentrum zerfällt, aber dann wurde mir bewusst, dass es das World Trade Center war. Und dann dachte ich sofort an die Prophezeiungen unseres Volkes.
Als unsere Vorfahren sprachen, sagten sie immer, dass etwas „zusammenfallen" wird, dass die Dinge sehr leicht und plötzlich zerfallen können und dass wir daher auf starken Grundlagen leben sollten. Sie sprachen auch davon, dass wir bald Zeugen von solchen Vorgängen sein würden.
Nachdem ich mein Radio eingeschaltet liess, hörte ich, wie der Sprecher sagte, dass dies eine enorme Katastrophe während der „Präsident-Bush-Zeit" sei. Und dann zog mir ein kalter Schauer über den Rücken - denn unsere Vorfahren haben auch gesagt, dass die Zeit gekommen sei, wenn wir im „Busch" seien. Sie sprachen über unser Reservat als „den Busch".

Diane: Ihr „Reservat" bedeutet ...?

Grossmutter Sara: Die „Sechs Nationen vom Grossen Fluss"
Einst hat mich mein Lehrer gefragt: „Sara, warum - glaubst du - nennt man unser Reservat ‚den Busch'?" Und ich sagte: „Ich kann es nicht sagen, ausser dass es das ärmste Land ist, das man haben kann. Aber sonst fällt mir dazu nichts ein."
Die verwendeten Begriffe und die Art, wie sie davon sprachen, öffneten mir die Augen. Als der Sprecher es sagte, habe ich sofort beide Dinge kombiniert. Es war mir nicht möglich, an diesem Tag das ganze im Fernsehen zu sehen. Erst als ich spät in der Nacht nach Hause kam, schaltete ich ein und sah sofort die Bilder der Flugzeuge, wie sie das WTC und den Pentagon trafen, und ich dachte, das ist jetzt direkt vor unserer Haustür.
Unsere Prophezeiungen sagen, dass die Zeit kommen wird, wo die Welt vor unserer Haustür sein wird, und der Adler wird uns vor der herannahenden Gefahr warnen. Diese Prophezeiungen begannen nun sogar noch eine viel tiefere Bedeutung zu bekommen als jemals zuvor, obwohl wir sie auch schon in der als Symbol für unseren Erdenweg hier gesehen haben.
Der Adler ist das Symbol der Vereinigten Staaten, und hier in Canada ist er unser Schutz-Vogel. Er ist auf dem Baum des Friedens sitzend dargestellt, weil er uns wegen seiner weitreichenden vor herannahenden Gefahren warnen kann. Er hat seine Warnungen ausgestossen, und ich glaube, dass dies der letzte Warnschrei sein wird, den wir erhalten.

Diane: Oh - da bekomme ich eine Gänsehaut.

Grossmutter Sara: Wissen Sie, ich war letzte Woche auf dem Schauplatz des Pentagon, um dort mit anderen eine Gebetswache abzuhalten. Ich habe dabei den überwältigenden Kummer der Leute gesehen.
Und das ist es, was ich nicht oft genug betonen kann bei all dem, was ich gesehen habe - bei der grossen Katastrophe, die da stattgefunden: Es soll ein Ruf zum Aufwachen für die Leute sein, dass sie jetzt aufmerksam werden und mehr als je zuvor ihre göttliche Verbindung umarmen. Denn es ist nicht mehr sehr viel Zeit übrig. Wir müssen das für die Kinder von morgen tun, für unsere Enkel und Urenkel und die aller Menschen.
Ich glaube, dass wir jetzt handeln müssen. Wir können jetzt nicht mehr nur darüber reden, sondern wir müssen die Aufgabe erfüllen, zu welcher wir hier auf der Erde sind. Es geht dabei nicht mehr um Kommerz oder Materialismus oder ähnliche Dinge, sondern es geht um uns, dass wir lernen einander zu lieben und in Frieden, Würde und mit Stolz zu leben - damit wir das sein können, wozu wir geschaffen sind.

Diane: Wenn Sie sagen „es ist nicht mehr viel Zeit übrig", was meinen Sie damit?

Grossmutter Sara: Wir leben in einer sehr schwierigen, gefährlichen Zeit. Aus der Sicht unserer Prophezeiungen und Botschaften ist die Zeit jetzt da. Wir können deshalb nicht so weitermachen wie bisher und unsere gesamte Zukunft auf ein zerfallendes Fundament aufbauen. Ich glaube, was da geschehen ist, ist ein weiteres grosses Zeichen - eines, welches uns aufwachen lassen sollte.
Die Menschen müssen jetzt dahin zurückkehren, dass sie die Natur ehren und respektieren. Sie müssen auch auf ihren spirituellen Weg zurückkehren, in die Schöpfer- oder Gott-Gegenwart in uns selbst, damit sie nicht mehr Bitterkeit und Hass verbreiten. Für diese Art von Energie ist jetzt kein Platz mehr in unserer Welt.

Diane: Viele Menschen wissen, dass Krieg nicht die Antwort ist, aber es ist soviel Angst und Verstörung da.

Grossmutter Sara: Als ich bei der Gebetswache in Washington DC war, habe ich so viele Menschen gesehen, die nicht wussten was sie tun oder wie sie reagieren sollten. Die Atmosphäre war einfach verändert. Die Grundlagen waren fürchterlich erschüttert worden.
Naturgemäss fühlen wir das Leid und den Kummer, aber wir dürfen dabei das Vertrauen in die Zukunft nicht verlieren - ganz besonders dann, wenn wir Enkel, Urenkel und Ururenkel haben. Weil wir sie lieben, müssen wir ein besseres Morgen erschaffen, wo es ein harmonisches, friedliches Zusammenleben mit allen Wesen gibt. Das ist es, was ich meinte mit dem Zurückkehren zur Natur: dankbar die Schönheit anerkennen, die es in unserem Leben gibt. Wir müssen jetzt wieder alles Leben achten, das es um uns herum gibt - weg von der Haltung des In-den-Tag-Lebens, sich den Unterhalt verdienen, zwei Autos kaufen und weg vom Wirtschaftsdenken der heutigen Welt.
Ich habe das Gefühl, dass die Antwort sehr einfach ist:  uns gegenseitig helfen!

Diane: Ich habe in der letzten Woche etwas gesehen, was mir wieder Hoffnung gegeben hat. Als der erste Anschlag geschah, gab es ein enormes Aufwallen von Zorn und dem Ruf nach Rache. Gott sei Dank wurde das irgendwie gedämpft durch Bedarf an Vorsicht. Viele Leute sind jetzt sogar dafür, dass alles noch viel langsamer gemacht werden sollte, um sicher zu stellen, dass wir wissen was wir tun. Frauen beginnen nun zu sprechen. So hatte Oprah Winfrey eine Show, wo hochkarätige Frauen auftraten, die alle gemeint haben, dass sich unser Umgang mit den Dingen ändern müsse, denn die bisherigen Wege hätten nicht funktioniert.

Aber wie können wir angesichts dessen, was geschehen ist, zur Natur zurückkehren und dazu, dass wir uns umeinander kümmern? Sind wir doch alle mit einbezogen in das „Ratten-Rennen" der heutigen schnell-lebigen Zeit.

Grossmutter Sara: Ja, es wird eine Herausforderung werden. Aber was sind unsere Möglichkeiten? 
Das Einzige, was sicher ist, ist Veränderung. Wir haben so viele Menschen auf dieser Welt, die einen Job verrichten, den sie nicht mögen. Wenn das, was wir da sehen, die Menschen nicht glücklich macht, dann müssen wir nach etwas suchen, was sie glücklich macht.
Ich - die ich den traditionellen Lehren und dem traditionellen Weg des Lebens so nahe stehe - glaube ganz fest daran, dass wir die Situation durch Einfachheit und durch den Gebrauch unseres Hausverstandes verändern können. Indem wir einander achten, verstehen und denen zur Seite stehen, die Hilfe benötigen. Die Menschen heute nehmen die Wahrheit sehr genau wahr, wenn sie sie sehen oder hören. So vieles hängt von unserer Reaktion ab. Im Washington habe ich es immer wieder gehört: Zorn. Die Leute waren so zornig. Aber diese Art von Schwingung tut niemandem etwas Gutes.
Ich denke, dass unsere indianischen Völker schon sehr lange davon gesprochen haben. Es gab Menschen, die daran interessiert waren, aber es hat keine dementsprechende Handlung gegeben. Ich weiss, dass unsere Leute in den letzten 25 bis 30 Jahren ihr Wissen über die kommende Zeit und ihre Warnungen mitgeteilt haben. Aber das galt immer nur als etwas Spannendes, das man zu hören bekommt ... auch als ich ein Kind war und davon hörte, habe ich gedacht, was das für eine interessante Geschichte sei. Es ist wie ein Märchen. Und wenn wir alle dementsprechend leben würden, gäbe es keine Zwistigkeiten und keine Bitterkeit. Wir würden alle einander lieben.
Aber diese Geschichte ist wirliches Leben. Es ist, und es existiert. Und es geht dabei um alle Menschen.

Diane: Haben Sie Angst?

Grossmutter Sara: Niemals.

Diane: Sind sie besorgt wegen der Entscheidungen, die jetzt bald getroffen werden müssen?

Grossmutter Sara: Ich trage dafür Sorge. Ich kümmere mich sehr darum.
Ich habe junge Neffen, Nichten und Enkel. Und wenn sie weiter leben sollten, dann möchte ich, dass sie in einer positiven Zukunft leben und ihre Erfahrungen machen können. Deshalb bin ich wirklich darum besorgt, was sich weltweit tut. Ich möchte nicht, dass ihre Zukunft zum Desaster wird. Das gilt für ALLE Nichten und Neffen, für ALLE Kinder und Enkel, nicht bloss für meine eigenen. Denn wir sind alle miteinander verbunden. Je früher wir das begreifen und je schneller wir zum Positiv-Denken, zur positiven Energie und zu positven Handlungen finden, desto besser ... ich fühle wirklich, dass dies etwas ganz Einfaches ist

Diane: Viele Lehrer aller Richtungen waren optimistisch wie die Zukunft ausschauen würde. Aber wenn die Menschheit oder das Bewusstsein den Frieden nicht wählen wird, was wird dann entsprechend den Prophezeiungen geschehen?

Grossmutter Sara: Die Vorfahren haben gesagt, dass die Zeit kommen wird, in der zwei Pfade entstanden sind. Sie selbst werden ihre Hände immer hochheben, die Daumen nebeneinander, und wenn sie sie Seite an Seite halten, dann wird es aussehen, als wären beide das Gleiche. Aber auf einem Pfad, sagen sie, werden viele Fußspuren sein, auf dem anderen jedoch nur ein paar. Dort wo die wenigen sind, gibt es aber viele kleine Fußspuren ...

Diane: ... die Fußspuren der Kinder ...

Grossmutter Sara: ... Kinder, deren Leben offensichtlich sehr verkürzt worden ist. Darauf also beziehen sich die „vielen kleinen Fußspuren". Wenn man so viele Kinder sterben sieht, Eltern, die ihren Kindern das Leben nehmen, Teenager-Selbstmorde, Abtreibungen ... Es waren auch junge Menschen in diesem Gebäude. Es gab da ein 12-jähriges Mädchen im Flugzeug, welches in den Pentagon gestürzt ist.
Ich glaube, dass wir nicht kontrollieren können, wer auf welchem Pfad geht. Wir können nur für uns selbst verantwortlich sein. Es ist die Wahl, welche dem Menschen gegeben ist. Ich frage nur: „Wo möchtest du sein? Was bist du gewillt zu verändern, um auf den Pfad zu kommen, auf welchem weniger Fussabdrücke sind?"
Ich glaube, und das ist unsere Botschaft, dass sich Mutter Erde niemals selbst zerstören wird. Aber die Menschen tun es sich selbst an. Es ist ihre Wahl, wohin sie als nächstes gehen wollen. Wo immer sie auch hingehen und auf welche Dimension: es sind immer ihre Gedankenformen, welche sie dorthin bringen.
Niemals würde ich von meinem Vertrauen abgehen. Manche von uns brauchen dazu vielleicht länger, und wer weiss? ... Vielleicht bin ich auf diesem zweiten Pfad. Wir müssen dabei völlig urteilsfrei sein. Ich sage auch nicht, dass das, wovon ich spreche, die Wahrheit ist. Ich kann darüber nichts sagen. Ich kann nur das zum Ausdruck bringen, was mich wohlfühlen lässt und was mir inneren Frieden bereitet.

Diane: Führen diese beiden Pfade zum selben Platz?

Grossmutter Sara: Die Prophezeiung sagt nicht, wohin sie führen. Aber ich fühle, dass uns die Wahl dazu gegeben ist. In unseren Lehren und in unserem Verständnis sind wir da, um unsere Perfektion zu erreichen.

Diane: Was wir also brauchen ist, zu warnen und gleichzeitig Mut zu machen.

Grossmutter Sara: Ja, ohne Zweifel. Das ist ein Muss.
Ich frage oft die Leute in meinen Kursen: „Wo siehst du dich denn selbst in zehn Jahren und in zwanzig Jahren in Beziehung zu dem, was los ist? Wenn du eine Familie hast, wo siehst du sie - deine Töchter und Söhne? Und wenn sie Kinder haben, in welcher Zukunft siehst du sie?" - Das ist etwas, worauf wir nicht achten. Wir denken nie weiter als diese Woche oder morgen oder nächstes Jahr. Wir sind im Heute gefangen.
Ich möchte auch betonen, dass der gegenwärtige Zeitpunkt der wichtigste ist für uns alle auf dem Weg hier auf Erden. Der Pfad ist all das, was uns zu diesem Zeitpunkt gebracht hat, und genau dieser Zeitpunkt wird uns in die Zukunft führen. Deshalb habe ich auch gesagt, dass die Zeit jetzt gekommen, wo wir unsere Schritte messen müssen.
Ich denken, dass wir uns an das Gesetz der Vergebung wieder erinnern müssen. Denn unsere Vorfahren wussten sich mit sieben Generationen in der Vergangenheit und mit sieben Generationen in der Zukunft verbunden. Wir sind alle sehr tief  miteinander verbunden, aber nur ganz wenige sind sich dessen bewusst. Das geht natürlich über die herkömmliche Art zu denken hinaus. Wir müssen uns unserer Vorfahren erinnern. Sie sind auch durch all diese Erfahrungen gegangen - durch die langsame Entfernung von der Wahrheit.

Diane: Vielleicht könnten sie uns jetzt unterstützen ...

Grossmutter Sara: Ich glaube daran. Ich glaube, dass uns die Vorfahren helfen, Menschen wieder zusammen zu bringen. Viele Menschen haben heute sehr grundlegende, prophetische, kraftvolle Träume. Fragen wir uns doch selbst. Woher kommen diese Träume?

 

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Liebe Freunde auf der ganzen Welt!

... Die Botschaft, welche wir aus allen Quellen der Wahrheit hören, ist klar: Wir sind alle eins. Das ist die Botschaft, welche die menschliche Rasse weitgehendst ignoriert hat. Diese Wahrheit zu vergessen ist die Ursache für Hass und Krieg, und der einzige Weg sie zu erinnern ist der: Liebe, jetzt und in jedem Augenblick.
Wenn wir sogar jene lieben könnten, die uns attakiert haben und wenn wir versuchen würden zu verstehen, warum sie es getan haben, was würde dann unsere Antwort sein? Wenn wir Negativität mit Negativität begegnen, Rache mit Rache und Attacke mit Attacke - was wird dabei herauskommen?
Das sind die Fragen, mit denen die menschliche Rasse jetzt konfrontiert ist. Das sind Fragen, welche wir in tausenden von Jahren nicht beantwortet haben. Wenn wir auch jetzt versagen sie zu beantworten, dann könnte die Notwendigkeit, sie überhaupt zu beantworten, ausgelöscht sein. ....
Suche deshalb heute noch - mit all deiner Grossartigkeit - eine Antwort auf die Frage: Was kann ich JETZT ... in diesem Augenblick tun? Eine zentrale Lehre in den meisten spirituellen Traditionen ist: Was du erfahren möchtest, das biete auch dem anderen an. Wenn du deine Traurigkeit und deinen Zorn heilen möchtest, dann heile auch die Trauer und den Zorn der anderen. Diese anderen warten auf dich. Sie erwarten sich Führung von dir, Stärke, Verständnis und Sicherheit ... in dieser Stunde. Vor allem aber erwarten sie sich Liebe. Meine Religion ist sehr einfach. Meine Religion ist Freundlichkeit.

Euer Dalai Lama

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Stand: 26.09.04